Am 17. September 2026 halte ich – gemeinsam mit Joachim Schütz – beim Treffpunkt Medizintechnik in Frankfurt am Main einen Fachvortrag „EMV-Risiken früh im Griff – Mit Simulation und Expertise zur sicheren Produktentwicklung“. Im Umfeld von DeviceMed, dem Community-Magazin für Profis in der Medtech-Branche, geht es um eine zentrale Herausforderung moderner Produktentwicklung: EMV gehört an den Anfang eines Projekts. Architektur, Mechanik, Elektronik, Software und Fertigung müssen früh zusammenspielen, damit Risiken sichtbar werden, bevor sie im Labor teuer, spät und komplex werden.
Seit rund zwanzig Jahren begleite ich Entwicklungsprojekte in der Medizin- und Gerätetechnik und sehe dabei immer wieder einen ähnlichen Verlauf. Solange ein erstes Muster grundsätzlich funktioniert, rutscht das Thema EMV leider leicht nach hinten. Dann wird es zu spät sichtbar. Zu späteren Zeitpunkten sind Entscheidungen längst getroffen und Änderungen greifen bereits tief in Architektur, Layout, Mechanik und Terminplan ein.
Für mich beginnt EMV deshalb mit dem Systemverständnis. Wir müssen früh klären, welche Normen gelten, in welcher Umgebung das Produkt betrieben wird, welche Emissions- und Störfestigkeitsgrenzen relevant sind und welche Betriebszustände später kritisch werden können. Wenn ich diese Fragen sauber am Anfang beantworte, schaffe ich eine belastbare Grundlage für alles, was danach folgt.
Für mich ist das in der Medizintechnik ein absolut wichtiger Schritt, weil Produkte selten in einer idealen Umgebung arbeiten. Kabel, Zubehör, angrenzende Geräte, Ladeeinheiten, Kommunikationsschnittstellen und reale Nutzungsbedingungen wirken direkt auf das EMV-Verhalten. Wenn wir diese Randbedingungen zu spät ernst nehmen, reagieren wir später oft nur noch auf Symptome. Wenn wir sie früh einbeziehen, entwickeln wir gezielter und ruhiger.
Ein gutes Systemkonzept spart an dieser Stelle viel Aufwand. Dazu gehören aus meiner Sicht eine klare Masse- und Erdungsstrategie, kurze und hochwertige Rückstrompfade, möglichst kleine Stromschleifen und dort, wo es nötig ist, eine saubere Potenzialtrennung. Das klingt erst einmal nüchtern. In der Praxis entscheidet das aber häufig darüber, ob ein Produkt robust arbeitet oder ob wir mit Filtern, Schirmmaßnahmen und Korrekturen nachziehen müssen.


Dabei zeigt sich auch ein Punkt, der mir in Projekten wichtig ist:
EMV ist kein isoliertes Layoutthema.
Mechanik, Elektronik, Software und Fertigung tragen gemeinsam dazu bei, ob ein Produkt unauffällig läuft oder störanfällig wird. Ein ungünstiger Kabelweg, ein schlecht geführter Rückstrom, variierende Taktfrequenzen, ein unsauberer Schirmanschluss oder eine späte Gehäuseänderung reichen oft aus, um ein gut gemeintes Konzept aus dem Gleichgewicht zu bringen. Deshalb brauchen wir an dieser Stelle Abstimmung!
Simulationen zum Beispiel helfen uns, Annahmen zu prüfen und Schwachstellen einzugrenzen. Nahfeldanalysen zeigen, wo Energie unerwartet austritt oder wo Einkopplungen passieren. Pre-Compliance-Messungen geben uns einen guten Einblick in den Stand der Entwicklung, bevor formale Prüfungen anstehen. Diese Schritte helfen uns, Optimierungsschleifen zu reduzieren und Entscheidungen früher abzusichern. Mir geht es dabei nicht um zusätzliche Theorie im Projekt. Mir geht es um einen qualitativ hochwertigen Entwicklungsablauf.
Checkliste dafür? Gerne. Hier der Download.
Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit, dient nur als Beispielvorlage.










