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Nachhaltigkeit in der Produktentwicklung – Teil 1

Auftakt unserer Reihe zu Nachhaltigkeit in der Produktentwicklung

Über Nachhaltigkeit wird inzwischen überall gesprochen. Trotzdem bleibt oft unklar, was nachhaltige Produkte, Prozesse oder Projekte konkret ausmacht und wo Greenwashing beginnt. Auch für einen Entwicklungsdienstleister wie uns ist das ein schwieriges Terrain, weil viel versprochen werden kann, jedoch wenig davon von einer einzelnen Firma oder einem Dienstleister signifikant beeinflussbar ist. Zeit also, das Thema anders anzugehen. Wir beschönigen keine Lieferkette, und wir machen ein Produkt nicht dadurch nachhaltig, dass es ein weiteres Etikett erhält. Was wir bei nachhaltiger Produktentwicklung tun, ist konkret und beginnt für uns mit der Idee.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele
der UN

Die Vereinten Nationen haben 17 Nachhaltigkeitsziele formuliert, von sauberem Wasser bis zu bezahlbarer Energie. Als globaler Rahmen sind diese SDGs sinnvoll, aber sind sie das auch für uns? Ein Entwicklungspartner unserer Größe steuert weder Ernährungssicherheit noch Bildungsgerechtigkeit. Was wir beeinflussen können, liegt hauptsächlich in der Produktentwicklung und betrifft Materialeinsatz, Energiebedarf, Lebensdauer, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit.

Deshalb haben wir die 17 Ziele intern besprochen und uns bei jedem gefragt, ob wir als Entwicklungsdienstleister dort überhaupt etwas bewegen können. Der Austausch hat gezeigt, dass wir uns bewusst auf die wenigen Bereiche konzentrieren wollen, in denen unsere Arbeit an der Produktentwicklung tatsächlich einen Unterschied macht und in denen wir bereits Erfahrung haben. Die übrigen lassen wir dort, wo sie besser aufgehoben sind – bei Politik, Herstellern und Lieferketten. Für uns hat Nachhaltigkeit damit wenige, aber klar benannte Anhaltspunkte. Es ist die Voraussetzung dafür, dass am Ende belastbare Aussagen und wirklich nachhaltige Produktverbesserungen entstehen können.

Zielführende Ansätze in der Entwicklung von Medizin- und Gerätetechnik

Der stärkste Hebel für nachhaltige Produkte liegt am Beginn der gesamten Idee. Denn nach Angaben der Europäischen Kommission werden bis zu 80 % der späteren Umwelteinwirkung eines Produkts bereits in der Entwicklungsphase festgelegt. Ob ein Gerät später demontierbar, reparierbar und ressourcenschonend ist, entscheidet sich also im Zuge der Definition von Material, Gerätekonzept und Schnittstellen. Ökodesign kann nur dann gut funktionieren und weniger Kosten verursachen, wenn es von Anfang an mitgedacht wird.

Hinzu kommt, dass Nachhaltigkeit selten das Problem einer einzelnen Disziplin ist. Reparierbare Hardware nützt wenig, wenn die Software den Zugriff sperrt, und ein sparsames Gehäusekonzept hilft nicht, wenn die Elektronik den

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Ausschlag gibt. Weil Mechanik, Elektronik und Software bei uns unter einem Dach entstehen, lassen sich solche Wechselwirkungen früh auflösen. Eine auf den Produktnutzen abgestimmte modulare Plattformentwicklung ist ein gutes Beispiel für einen nachhaltigen Entwicklungsansatz. Ein weiterer Hebel ist die Simulation. Durch digitale Zwillinge und virtuelle Tests prüfen wir Varianten, um die Entwicklung zu verkürzen und Ressourcen zu sparen, bevor überhaupt Material und Energie in physische Prototypen fließen. Und schließlich ist vieles davon für uns kein Neuland. Akku- und Batterieintegration, langlebige Konstruktion oder normgerechte Materialwahl gehören seit Jahren zu unserer Arbeit. Der Nachhaltigkeitsbezug war schon immer da, er wurde nur nicht immer so genannt.

Anforderungen, auf die geachtet werden sollte

Wer über Nachhaltigkeit schreibt, sollte auch über ihre Grenzen sprechen, sonst entsteht der Eindruck, eines inflationären Buzzwordings, den wir vermeiden wollen. Der erste Punkt sind Zielkonflikte. In der Medizintechnik etwa kann Reparierbarkeit sehr schnell mit Hygiene- und Sterilisationsanforderungen kollidieren und ein gut recycelbares Material muss dennoch Normen erfüllen und zugelassen, bzw. zulassungsfähig sein. Solche Konflikte lassen sich sauber abwägen, aber sie sind nicht wegzureden. Damit hängt der zweite Punkt zusammen, unser Einflussbereich: Wir gestalten das Produkt, aber wir entscheiden nicht allein. Über Serienmaterial, Fertigungsort und den späteren Betrieb bestimmen Sie. Wir schaffen gute Voraussetzungen und unterstützen auch bei der Markteinführung, allerdings liegt die finale Entscheidung immer bei Ihnen.

Nicht zu vergessen ist ebenfalls die Regulatorik, die sich derzeit schnell weiterentwickelt. Das seit dem 31. Juli 2026 geltende Recht auf Reparatur betrifft zunächst Konsumgüter wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Smartphones, aber zum Beispiel nicht die Medizin- und Gerätetechnik. Der größere Rahmen ist die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR), die Kreislaufwirtschaft, Reparierbarkeit und einen digitalen Produktpass schrittweise für nahezu alle Produktgruppen verbindlich macht. Industrie- und Elektronikprodukte werden über den Arbeitsplan 2025–2030 schrittweise erfasst. Für die Medizintechnik ist eine Einbeziehung bislang nicht terminiert, grundsätzlich aber möglich.

Wenn das Produkt mehrere Jahre im Markt bestehen soll, ist es wichtig, schon jetzt die Punkte der Verordnung zu beachten und diese in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Nachhaltigkeit wird zunehmend etwas, das belegt werden muss. Hier gilt besonders das verschärfte Vorgehen der EU gegen pauschale Umweltaussagen ohne Nachweis. Es wird also noch wichtiger, Nachhaltigkeit früh einzubeziehen und den Begriff weniger inflationär zu nutzen. – Sven Dörhage

Ohne Messbarkeit bleibt Nachhaltigkeit eine Behauptung. „Nachhaltiger“ ist keine Aussage, solange nicht klar ist, woran man sie misst. Eine nachvollziehbare Bewertung gehört für uns deshalb zum Prozess und ist einer der Gründe, warum wir Ihnen in dieser Blogreihe das Thema näherbringen möchten.

Für Sie dient dieser erste Beitrag als Einordnung. Im zweiten Teil geht es um das 9R-Modell, das Ordnungssystem hinter „Circular Design“, und am Beispiel „Repair“ zeigen wir, dass daraus mit dem Recht auf Reparatur gerade geltendes Recht wird.

Progressive Produktentwicklung.
Made in Germany.

Auftragsschub in der Elektroindustrie braucht belastbare Entwicklung

Autor:

Business Development

Wenn Projekte ganzheitliche Expertise erfordern, ist B&W Ihr One-Stop-Shop. Von der ersten Idee über Mechanik, Elektronik und Software bis zum abschließenden Test – wir decken den kompletten Entwicklungszyklus ab. Verlassen Sie sich auf uns als Ihren Rundum-Sorglos-Dienstleister.

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